Schauen. Tasten. Lauschen.

2019-03-10

Eine Ode an Architektur und Raumgestaltung: Oodi, die neue Bibliothek in Helsinki.

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In Berlin warten wir lange schon durch umfängliche Diskussionen begleitet auf eine neue zentrale Bibliothek. Es könnte ein lohnendes Warten gewesen sein, denn die Stadt Helsinki hat inmitten ihres Zentrums zwischen Hauptbahnhof, Finlandia-Halle, Kiasma-Museum für Zeitgenössische Kunst und Parlament ein Schiff anlanden lassen, das zeigt, was möglich ist.

Wochentags kann man zwischen 8 und 22 Uhr, an den Wochenenden zwischen 10 und 20 Uhr auf 3 Etagen seinen Neigungen nachgehen. Räume wurden erschaffen, die man als Einzelner nutzen kann, Inseln für Kleingruppen, abgetrennte für Meetings, Workshops und Vorträge buchbare Bereiche und auch solche zum Spielen. Mehr noch als die wegen der um ca. 100.000 Titel gekommenen Leser werden sich die Freaks moderner Technik freuen. Eines der Highlights dürfte der „Cube“ sein, ein von wandfüllenden Touchscreens umschlossener Vortragsraum. Kreative können 3D-Drucker benutzen und Musikinstrumente entleihen. Zu unterschiedlichen Themen finden im Vortragsraum im Erdgeschoss täglich Diskussionen statt, an denen jeder teilnehmen kann. Und natürlich darf die Möglichkeit, sich in 2 Cafés zu stärken, nicht fehlen.
Neben dem WAS und WANN ist für mich jedoch das WIE von Architektur und Inneneinrichtung besonders wichtig. Ich mag einen Raum nicht nur visuell wahrnehmen, sondern auch die eingesetzten Materialien berühren und idealerweise Geruch und Klang bemerken. Dafür geben mir die hier am Bau Beteiligten gut Gelegenheit.
Für mich steigt die Spannung vom Unter- über das Erdgeschoss und die 1. Etage immer weiter an bis man in der 2., der obersten Etage angekommen ist. Fangen wir doch einmal mit der Gestaltung des Erdgeschosses an, in dem sich eine geräumige Lobby, Bibliotheksservice, Kino, Hörsaal, Café und Spielplatz befinden. Sichtbeton, Stahl und Holz sind in Schwüngen ausgeführt und punkten auch deshalb, weil man den Beton und das Holz momentan noch riechen kann. Ich hatte meine Zweifel, ob an der Nordseite die dynamische Herunterführung der Erdgeschossdecke auf das Fußbodenniveau funktionieren sollte. Sieht man die Leute im dort befindlichen Café jedoch die Plätze einnehmen, ist jedes Fragezeichen verflogen: Die verschattende Höhlensituation sorgt für Geborgenheit und wird sehr gut angenommen.
Mittels kräftiger, schräg gestellter Holzsäulen, unterschiedlicher Bodenhöhen, Teppichen und Sitzmöbel wird im 1. Obergeschoss der Gang durch einen Wald simuliert, genauer gesagt, durch verschiedene Waldbereiche. Man hat die Möglichkeit, sich in der Gruppe oder allein einfach nur aufzuhalten oder zu lesen. Hier befindet sich der „Cube“, sind diverse größere und kleinere Studios für Interaktionen installiert, hier kann alles, was das Macher-Herz begehrt, in Betrieb genommen werden: Fotostudio, Musikraum, 3D Drucker, Plotter, Nähmaschinen und selbstverständlich Computer.
Wer gut zu Fuß ist, benutzt statt des Liftes zum Gang in die obere Geschossebene die aus Stahl gefertigte und mit Zitaten künstlerisch gestaltete Wendeltreppe und erreicht das Oberdeck eines Schiffes. Tatsächlich erinnert mich der an den Seiten hochgezogene Fußboden sehr an die Wasa. Stellen wir uns einmal auf den zur Finlandia-Halle hin emporschwingenden „Bug“ mit großen Glasfronten und drehen uns – natürlich erst nach genüsslichem Ausblick über die Stadt – zurück in den Raum. Der Blick kann über eine große Sichtachse die unten in der Geraden befindlichen Bücherregale, Sitzmöglichkeiten mit Tischen, ein Café, den Kinderspielplatz erfassen bis sich auf der anderen Seite das „Heck“ in großen Holzstufen wieder emporschwingt. Es riecht angenehm nach Holz und viel Volk sitzt, liegt mit Buch oder ins Gespräch vertieft auf den „Planken“. Auch die Decke, von der ich mich weiter oben fast bedrängt fühle, ist nicht glatt ausgeführt. Als Expertin für Wand- und Deckengestaltung wüsste ich gern, wie die höhlenartige weiße Oberfläche erreicht werden konnte, die das natürliche Gefühl in diesem großen Raum unterstreicht. Mit Lehm?

ALA Architects, Helsinki, haben nicht nur eine Bibliothek geschaffen, sondern ein Haus des Luxus´: Menschen können hier ihre Zeit genießen, allein oder gemeinsam, tätig oder auch müßig.
Oodi“ bedeutet „die Ode“. Ein schöner Name für einen zutiefst menschlichen Platz.

http://www.oodihelsinki.fi/en

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LadyStructura - 14:19:44 | Kommentar hinzufügen

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